Die immer schneller wechselnden Kundenanforderungen und der weltweite Wettbewerb in der Textilindustrie fordern ein großes Maß sowohl an innovativer Flexibilität als auch kürzeste Lieferzeiten. Die deutschen Unternehmen haben nur dann eine Überlebenschance, wenn sie konsequent auf Qualität setzen und gleichzeitig alle technischen sowie organisatorischen Rationalisierungsmöglichkeiten nutzen.
Das 1952 gegründete Unternehmen Georg + Otto Friedrich KG hat sich ausschließlich auf das Wirken von Stoffen spezialisiert. Die Produktpalette umfasst die ganze Breite moderner Wirktextilien und reicht von Futterstoffen über Fahnenstoffe, technische Veloure für Bänder und Schleifscheiben bis hin zu Beschichtungsträgern jeder Art. Seit dem Jahrtausendwechsel sind, stark expandierend, Stoffe für den Digitaldruck hinzugekommen. Neben dem Inlandsmarkt betreut die Friedrich KG Kunden in allen europäischen Staaten, zunehmend auch Unternehmen in allen anderen Erdteilen. Eine Vertriebstochtergesellschaft befindet sich in Wien, ein zweiter Produktionsbetrieb nahe Chemnitz. Ein wichtiger Aspekt des Firmenkonzeptes ist die schnelle Belieferung der Kunden über verschiedene Lager, u.a. auch mittels Konsignationslager.
Heute gehören 80 Mitarbeiter zu diesem Unternehmen. Die monatliche Produktion liegt bei über 400 t Rohware – das sind ca. 5 Mio. Quadratmeter ausgerüsteter Stoff. Das entspricht einer 50 cm breiten Stoffbahn, die man mehr als zwei mal um den Äquator wickeln könnte. Bei allen Artikeln steht die Qualität an erster Stelle; sie wird durch ständige Kontrollen und Verbesserungen sowohl in der eigenen Produktion als auch im Einkauf sichergestellt. Moderne Maschinen mit der neuesten Technologie zur Fehlerüberwachung gehören bei Friedrich KG ebenso zu den permanenten Investitionen, wie z.B. die vollklimatisierten Lager- und Produktionshallen. Die Produktionsstätten des Unternehmens gehören zu den Modernsten der europäischen Textilindustrie.
Frühzeitig hat der hessische Textilhersteller erkannt, dass Wettbewerbsvorteile nur über den Produktionsprozess an sich und eine schnelle Lieferfähigkeit erreicht werden können. Dennoch wurde bei Friedrich kein Gedanke an eine Produktionsverlagerung in Billiglohnländer verloren. Man ist überzeugt davon, als Nischenanbieter auch am Standort Deutschland mit der richtigen Strategie und Unterstützung einer integrierten ERP-/PPS-Lösung wettbewerbsfähig bleiben zu können. Bereits in den 80er Jahren wurde auf neueste Technologien umgestellt, die Produktion mit nur zwei Fertigungsstufen sehr flach gehalten. Garnträger werden fertig gekauft. Auch das Färben der Stoffe findet außer Haus statt. Die weitere Veredelung der Produkte zu fertigen Stoffen wird von zuverlässigen Partnern durchgeführt, zu denen oft jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen bestehen. Die Friedrich KG zeichnet eine sehr schnelle und flexible Produktion mit Lieferzeiten von maximal drei Wochen aus - die meisten Artikel können innerhalb von 24 Stunden aus dem Lager bereitgestellt werden, einige davon in über 150 Farben.
Das Besondere bei der Friedrich KG ist die Chargenrückverfolgung von der Fertigware bis zum Teilkettbaum und dessen Lieferanten. Die Färbung der fertig gewirkten Stoffe fällt immer dann in Nuancen aus, wenn die Rohstücke nicht aus einer einzigen Garn-Charge stammen. 100%ige Farbtreue kann nur durch Lieferung aus einer einzigen Garn-Charge garantiert werden. Außerdem kann es vorkommen, dass einzelne Fäden nicht den technischen Anforderungen entsprechen. Um die hohe Qualität der Produkte gewährleisten zu können, muss die genaue Färbecharge jederzeit wiederfindbar und eine exakte Rückverfolgung bis zum Garnträger möglich sein.
Die Rückverfolgung von der Fertigware über die Rohware bis zum Teilkettbaum und dessen Lieferanten – DV-technisch und organisatorisch ohnehin nicht einfach – wird zusätzlich erschwert, da die einzelnen Stufen in unterschiedlichen Einheiten (Fertigware in Metern, Rohware in Kilogramm und Garnträger in einzelnen Stücken) geführt werden müssen. Damit wurde eine DIN-/ISO-9001-Zertifizierung notwendig. Die unternehmensspezifische Reklamationsverwaltung wurde auch mittels der abas-Tools erstellt.
Bis 1990 wurde lediglich ein Computer für die Färbepartieverwaltung und ein PC in der Verwaltung genutzt. Die immer schneller wechselnde Mode, der weltweite Wettbewerb und das stark gestiegene Auftragsvolumen führte zu einer Überlastung des bis dahin eingesetzten Systems. Deshalb entschieden sich die Lenker des Hauses Friedrich, ein ERP-System einzuführen, das auch eine Lösung dieser unternehmensspezifischen Aufgabe ermöglicht.
Lothar Vorbeck, Mitglied der Geschäftsführung, nutzte damals, Ende der 80er Jahre, in diesem Zusammenhang eine praxisorientierte Studienarbeit mit dem Thema „Integriertes IT-System in einer Wirkerei“ zur Suche nach einer geeigneten Software-Lösung. „Kein einziges Standard-System konnte sich an unsere spezielle Chargenrückverfolgung anpassen“, erinnert er sich, „mit einer Ausnahme: abas-Business-Software.“ Die Lösung: Zwei der vielfältigen abas-Werkzeuge – Zusatzdatenbanken und Freitexte – ermöglichen eine komplette Historie aller Produkte, die je auf einer bestimmten Maschine gefertigt wurden. Über Färbe-, Artikel- und Stücknummer kann jedes Fertigteil bis zum Teilkettbaum zurückverfolgt werden.
Der damalige Projektleiter Vorbeck: „Die abas-Business-Software verfügt über viele fertige Standardmodule, ist aber nicht streng determiniert, sondern bietet vorgedachte Strukturen, die sich für viele Aufgabenstellungen eignen und die der Anwender individuell verändern kann. Dabei ist abas-ERP ein Softwarepaket, das unabhängig von der Branche und den konkreten Aufgaben des Unternehmens die Organisation und Steuerung betrieblicher Abläufe übernimmt.“ Darin sieht er die große Stärke des Systems: Es lässt sich exakt an die Bedingungen des einzelnen Arbeitsplatzes anpassen und fügt sich flexibel in die betrieblichen und arbeitsplatzspezifischen Besonderheiten ein.
Dem Anwender stehen eine Reihe von Werkzeugen zur Verfügung, mit deren Hilfe er aus Standardoberflächen individuelle Oberflächen erstellen und eigene Programme entwickeln kann. So passt sich die abas-Business-Software bei jedem Unternehmen genau an die Organisation an und beinhaltet dann auch nur Funktionen, die wirklich gebraucht werden.
Lothar Vorbeck zu der Entscheidung für die abas-Business-Software: „Da alle Friedrich-spezifischen Anforderungen in Bezug auf Produktionsplanung und -steuerung sowie auf kaufmännische Belange erfüllt wurden, das Programm mit relativ niedrigen Anschaffungskosten eingeführt und kostengünstig betrieben werden kann, fiel uns die Entscheidung 1989 schließlich leicht. Der direkte Draht zur ABAS Software AG und den uns betreuenden Mitarbeitern der ABAS Projektierung Rhein-Main hat uns diese in den langen Jahren der Zusammenarbeit immer wieder bestätigt.“
Hauptaufgabe zu Beginn des Projekts war die Einbindung der Chargenverwaltung. „Die Rückverfolgung der Fertigware über die Rohware bis zum Garnträger und dessen Lieferanten bereitet uns heute keine Probleme mehr“, stellt Vorbeck fest. Schritt für Schritt wurde die abas-Business-Software bei G+O Friedrich eingeführt. Zunächst war die Verwaltung an der Reihe: sukzessiv wurde das System ausgebaut, heute wird im verwaltungstechnischen Bereich alles per EDV erledigt.
Anschließend erfolgte die Einführung des ERP-Systems in der Fertigung und Lagerverwaltung. Planungszeiträume, die vor der abas-ERP-Einführung ein bis zwei Wochen betrugen, sind auf wenige Stunden zurückgegangen. Die für den durchgängigen Datenbestand notwendigen Produktionsinformationen werden nachts vom Lieferanten überspielt. Das mehrere 100 TEUR wertvolle Rohwarenlager, das vor abas-ERP noch manuell verwaltet wurde und nur am Inventurstichtag genaue Auskünfte über die aktuellen Bestände zuließ, ist leichter zu verwalten und befindet sich ständig auf dem neuesten Stand. Der Zweigbetrieb nahe Chemnitz ist via VPN direkt mit den Anwendungen in Groß-Zimmern verbunden. Alle Mitarbeiter arbeiten bei Friedrich mit der abas-Business-Software: Es wurde eine Bedienerführung entworfen, die voll und ganz auf die individuellen Bedürfnisse bei Friedrich abgestimmt ist und die Fehler von Seiten der Anwender nahezu unmöglich macht. Jeder Mitarbeiter erfährt konkrete Hilfe durch abas-ERP, so zum Beispiel bei der Maschinenumrüstung, bei der Kontrolle von Stillstandzeiten und dem Zustand der Wirkmaschinen.
Lothar Vorbeck zieht Bilanz: „Ohne die abas-Business-Software wäre ein Wachstum unseres Unternehmens in dieser Form nicht möglich gewesen!“ Der jetzige Projektverantwortliche und Fertigungsleiter bestätigt dies gerne und ergänzt weitere Gründe für die Zufriedenheit mit dem System: „Dank der abas-Update-Strategie sind unsere individuellen Anpassungen, die zum Teil seit der Version 2 aus dem Jahr 1990 genutzt werden, heute noch im Einsatz. So ist z. B. unsere Reklamationsverwaltung nach jedem Wochenend-Update sofort weiterhin verfügbar. Außerdem können wir von der Weiterentwicklung der abas-Business-Software profitieren. Über die Stabilität der Linux-Server brauchen wir kein Wort zu verlieren; sie ist einfach vorhanden. Auf Daten, die bei der Einführung des Systemes erfasst wurden, können wir heute, 16 Jahre nach dem Echtstart, immer noch zugreifen. Auch das steigert die Zufriedenheit unserer Kunden.“
Seit der Gründung im Jahr 1950 entwickelte sich das Unternehmen Georg und Otto Friedrich von einem Lohnbetrieb der Mieder- und Automobilindustrie zu einer führenden Wirkerei in Europa. Heute gehören 60 Mitarbeiter an zwei Produktionstandorten und Auslieferungslagern in Deutschland, den Niederlanden, Marokko, Rumänien, Litauen, Tunesien und Österreich zum Unternehmen. Die monatliche Produktion liegt bei über 400 t Rohware – das sind ca. 5 Mio. Quadratmeter ausgerüsteter Stoff - das entspricht einer 50 cm breiten Stoffbahn, die man mehr als zwei mal um den Äquator wickeln könnte. Betreut werden Kunden in der ganzen Welt von Hongkong bis Südafrika, von den USA bis Südamerika – und natürlich ganz Europa. Georg + Otto Friedrich strebt nach dem Ausbau der Marktführerschaft und nach der Erschließung neuer Märkte durch technische Innovationen, der Export soll weiterhin deutlich gesteigert werden.
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